Home Kongress Organisation Medien Registrierung Kontakt Links Sitemap
English Française Deutsch Español Russian
Prolog
Dialog der Zivilisationen
Ziel der Architektur, der Stadt- und Landschaftsplanung ist vorrangig die nachhaltige Entwicklung und Verbesserung der städtischen Zivilisationen unter Berücksichtigung regionaler kultureller Eigenarten. Lange vor den dramatischen Ereignissen im September 2001 hat Klaus Töpfer, Direktor der UNEP, die Konzeption einer globalen Umweltplanung und einer innovativen Friedenspolitik gefordert, die auch auf den Ausgleich der Lebensbedingungen gerichtet ist. Diese Initiative muss zusammen mit den Zielen der Architektur-, Stadt- und Landschaftsentwicklung in eine umfassende und ganzheitliche Architektur- und Städtebaupolitik von weltweiter Geltung münden.

Überall werden weiter materielle und energetische Ressourcen vergeudet. Die Auswirkungen sind lokal und global spürbar. Von Klimaveränderungen bis hin zum wachsenden Wohlstandsgefälle zwischen Gesellschaften und Nationen üben die Konsequenzen solchen Verhaltens immer gefährlichere Einflüsse auf die politischen Szenarien bis hin zum Terrorismus aus.

Hintergrund solcher Entwicklungen ist eindeutig die Einstellung gegenüber den geistigen Ressourcen der Menschheit – einschließlich der Wertvorstellungen der Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung. Auch hier werden – analog zu den materiellen Werten – geistige, ethische und moralische Werte häufig vergeudet oder nicht beachtet. Verantwortungsbewusstsein gegenüber der Gesellschaft und Umwelt, Fähigkeiten zur Innovation, Kreativität und Imagination und weitere der unbegrenzten Ressourcen des menschlichen Geistes und Gewissens werden nicht genutzt oder fehlgeleitet.

Es geht also nicht nur um die endlichen Entwicklungsmöglichkeiten im »Horizont der Erde« sondern auch in verstärktem Maße um die unendlichen Fähigkeiten im »Horizont des Geistes«. Die Dimensionen der Kultur und der Schönheit als Ausdruck menschlichen Glücksgefühls, auch die Fähigkeit zum transzendenten Empfinden des »Unsichtbaren« hinter den Dingen werden zu wenig wahrgenommen und angewandt oder gar pervertiert – wie an den philosophischen Ideologien oder dem religiösen Fundamentalismus unserer Tage verfolgt werden kann. Die »Strukturen der globalen Ungleichheit« (Saskia Sassen), also die ungleiche Verteilung materieller Ressourcen, und auch kultureller Kolonialismus sind ebenso wie der Ausverkauf unersetzlicher Rohstoffe auf materieller Ebene hintergründige Ursachen für die politischen Auseinandersetzungen zwischen Nord und Süd, zwischen Rassen und zwischen Religionen. Die Kompetenz der Architekten, der Stadt- und Landschaftsplaner, die mit anderen verantwortlich sind für die Entwicklung von Wertmaßstäben, für die Vermittlung von Know-how und für den Dialog der Kulturen, muss für die Lösung drängender Probleme eingesetzt werden, wenn das Ziel einer friedlichen Zukunft der Menschheit im materiellen und geistigen »Horizont der Erde« Bestand haben soll.

Dialog der Kulturen
Seit den Terroranschlägen im vergangenen September und der Reaktion der Betroffenen eröffnet sich eine neue Dimension der Notwendigkeit einer globalen Friedenspolitik. Sie muss die Weltökonomie ebenso umfassen wie die Achtung vor der Umwelt und muss vor dem Hintergrund einer Wertediskussion entwickelt werden, die im Dialog der Ideen, der Wissenschaften, der Kulturen und der Generationen geführt wird. Architekten und andere Planer wollen dazu ihren Beitrag anlässlich des XXI. Architektur-Weltkongresses leisten.

Dieser Weltkongress der Internationalen Architekten-Union (UIA) steht unter dem Thema »Ressource Architektur«. Die Nutzung der geistigen und materiellen Ressourcen des Planens und Bauens soll im Dialog der Kulturen die globalen Prozesse der friedlichen Zivilisation, der innovativen Modernisierung und der Fortführung regionaler Traditionen vor allem in den Städten als Ursprung aller Kulturen fördern.
Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung sind in der Lage, die Kräfte der Globalisierung im positiven Sinne zu symbolisieren und den Globalisierungsprozess vor dem Hintergrund einer Wertediskussion der Kulturen und Disziplinen umweltverträglich und sozial gerecht zu gestalten. Die Kräfte der Globalisierung können nicht aufgehalten werden – aber sie können in eine umweltgerechtere Qualität und in eine gerechtere Verteilung im Rahmen der globalen Zivilisation münden.

Mit der Relation der Themen des Kongresses von Architektur- und Stadtentwicklung zu den Themen der globalen Entwicklung einer friedlichen Welt-Umweltpolitik kann der Kongress zu Begriffsbildungen übergehen, die den Phänomenen der weltpolitischen Zusammenhänge, soweit sie in der Öffentlichkeit wahrgenommen werden, zuvorkommen.

»So weiter machen wie bisher« – das hieße, dass die westlichen Länder ihre Vorstellungen der Energiezivilisation nicht korrigierten, ihre Wertevorstellungen nicht infrage stellten, ihre Systeme nicht auf Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft umstellten und damit auch ihre Architektur-, Stadt- und Landschaftsentwicklung nicht veränderten. Die Entwicklungs- und Schwellenländer sähen sich gezwungen – um mithalten und aufholen zu können –, diese überholten und nicht mehr zu verantwortenden Konzepte zu übernehmen.

Die tragischen Ereignisse der letzten Monate haben gezeigt, dass das zivilisatorische Niveau und der so genannte technische Fortschritt mit der Entfremdung der natürlichen Entwicklungsmöglichkeiten und Ressourcen in höchstem Maße verwundbar sind. Wir benötigen deshalb nach einem Dialog über künftige Wertvorstellungen einen Paradigmenwechsel bei der Konzeption globaler Architektur-, Stadt- und Landschaftsentwicklung. Wenn wir so weitermachen würden wie bisher, würden wir die Erde viermal brauchen. Wir haben aber nur eine.

Architektur der neuen Horizonte
Kulturelle Reflexion und Innovation ist im Austausch aller Weltkulturen erforderlich. Der Bestand und der Erhalt der natürlichen Umwelt wird in allen Kulturen als Voraussetzung für ein menschenwürdiges Leben verstanden. Der Konsens darüber, wie dies in der Realität geschehen soll, kann nur vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, kultureller und religiöser Werte, Moral und Ethik erzielt werden. Die Architektur erhält damit die Dimension einer Existenzfrage für den zustimmungsfähigen Konsens im Horizont des Geistes und damit vor dem Horizont der Erde. Er muss im Dialog der Disziplinen debattiert und erarbeitet werden.

Wie Konzepte einer nicht nur auf sich selbst bezogenen, gewissermaßen autistischen Architektur beschaffen sein könnten, wie Entwicklungsprinzipien der Architektur, der Stadt- und Landschaftsplanung als Teil einer wertebestimmten Welt-Umweltpolitik definiert werden könnten – dies soll unter dem Begriff »Ressource Architektur« als Kernthema und unter den Kategorien von »Stadt und Gesellschaft«, »Natur und gebaute Umwelt«, »Innovation und Tradition« und »Raum und Identität« auf dem erstmalig in Deutschland stattfindenden Weltkongress in Plenarsitzungen, Foren, Werkstätten und Werkberichten überprüft werden.


Berlin, Oktober 2001

Reinhart Wustlich
Sekretär des Wissenschaftlichen Komitees

Andreas Gottlieb Hempel
Kongresspräsident

Willkommen
Thema
Prolog
Thesen
Zielgruppen
Kongresskalender Juli 2002
Der Hauptkongress
Aufruf zur Beteiligung
Veranstaltungen
Studentenwettbewerb
Standorte
Dialog









 
Seitenanfang

Stand: 11.12.2001